Hintergrund


Die Natur ist die Lebensgrundlage aller Menschen. Sie versorgt uns mit Nahrung, Ressourcen und, weniger augenscheinlich aber umso bedeutender, mit Dienstleistungen (ecosystem services).

Diese können beispielsweise Hochwasserschutz durch intakte Flussauen, Temperaturregulierung durch Evapotranspiration oder die flächendeckende Bestäubung von Nutzpflanzen durch Tiere sein. Ecosystem services entstehen aus oft komplexen Wechselbeziehungen einer artenreichen Lebensgemeinschaft.

Fällt in diesem Netzwerk ein Partner aus, hat dies Konsequenzen auf die anderen Mitglieder der Gemeinschaft. Ein funktionelles Substituieren innerhalb einer Biozönose ist zwar möglich, aber jedenfalls in einem diversen Netzwerk wahrscheinlicher als in einem uniformen.

Spezialisten und interessierte Laien bemerken derzeit einen Trend der Verarmung der Artenvielfalt. Aufgrund seiner hohen Aussagekraft dient dabei oft der Zustand der Insektenfauna als Maßstab. Verschärft wird das Problem durch die Verdrängung heimischer Arten durch konkurrenzstarke, eingeschleppte invasive Arten. Experten sprechen bereits von der Globalisierung einer verarmten Artenausstattung. Das Phänomen des Artensterbens ist ein globales, die Geschwindigkeit besorgniserregend. Manche Autoren versuchen den ökonomischen Wert des Verlustes zu beziffern und erreichen dabei schnell mehrstellige Milliardenbeträge.

Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist daher der Schutz der biologischen Vielfalt. Anlässlich des Jahres der Biodiversität 2010 hat die internationale Gemeinschaft im Rahmen des Nagoya-Protokolls ein Maßnahmenpaket beschlossen, das auch EU-weit bis 2020 durch folgende Punkte umgesetzt werden soll:

  1. Vollständige Umsetzung der bestehenden Naturschutzvorschriften und des Netzes der Natura 2000-Schutzgebiete zur Erreichung wesentlicher Verbesserungen des Erhaltungszustands der Lebensräume und Arten;
  2. Verbesserung und Wiederherstellung von Ökosystemen und Ökosystemleistungen wo immer möglich, insbesondere durch verstärkten Einsatz grüner Infrastrukturen;
  3. Sicherstellung der Nachhaltigkeit der land- und forstwirtschaftlichen Tätigkeiten; Erhaltung und Schutz der Fischbestände der EU;
  4. Bekämpfung invasiver Arten, eine zunehmende Ursache für den Biodiversitätsverlust in der EU;
  5. Verstärkung des Beitrags der EU zu gemeinsamen Aktionen zur Abwendung des globalen Biodiversitätsverlusts.

Die Umsetzung dieser Maßnahmen kann nur durch Ressort-übergreifende Zusammenarbeit gelingen. Sowohl auf staatlicher wie auf privater Ebene sollte das Bewusstsein um die Problematik des Artensterbens fundamental verankert sein. Bemühungen zum Schutz unserer Lebensgrundlage müssen multidisziplinär umgesetzt werden und umfassen neben den klassischen Naturschutzstrategien Konservation und Renaturierung wertvoller Gebiete vor allem auch den Bereich der Umweltbildung.
Dabei bietet in erster Linie das von der internationalen Gemeinschaft beschlossene Ziel 2,

…die Verbesserung und Wiederherstellung von Ökosystemen und Ökosystemleistungen wo immer möglich, insbesondere durch verstärkten Einsatz grüner Infrastrukturen…“,

ideale Schnittpunkte zur praxisnahen Ausbildung der Tiroler Fachberufsschulen.

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